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Barrierefreies Bauen ist leistbar und erleichtert das Leben für alle


Rollstuhlfahrer steht vor gelber Rampe

Aktuelle Neuüberarbeitung der ÖNORMEN B 1600 bis B 1603 bringt Vorteile - nicht nur für Ältere und Menschen mit Behinderungen


Hohe Stufen, der fehlende Handlauf im Stiegenhaus,
schwer zu öffnende Eingangstore, schlecht gekennzeichnete Glastüren -
alles Beispiele für Hindernisse, die älteren Personen, Menschen mit
Geh- oder Sinnesbehinderungen sowie Eltern mit Kinderwägen den Alltag
erschweren. Bauliche Barrieren führen dazu, dass ein erheblicher Teil
der Bevölkerung in seiner eigenständigen Mobilität eingeschränkt
wird. "Der Anteil der älteren Menschen wird in den kommenden Jahren
stark zunehmen. Daher ist es umso wichtiger, vorausschauende,
nachhaltige und bedarfsgerechte Richtlinien für barrierefreies Bauen
zu schaffen, um möglichst vielen Menschen ein mobiles Leben ohne
fremde Hilfe zu gewährleisten", betont Stefan Wagmeister, zuständiger
Komitee-Manager bei Austrian Standards.

ÖNORMEN für barrierefreies Bauen

ÖNORMEN schaffen verlässliche Planungsgrundlagen für die
barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und Anlagen. Die aktuelle
Neuüberarbeitung der betreffenden ÖNORMEN B 1600 bis B 1603 trägt
nicht nur zu Erleichterungen für ältere Personen oder Menschen mit
Behinderungen bei. Auch Bauherren und Planer profitieren von
Präzisierungen, bedarfsgerechten Anpassungen und mehr Flexibilität
der adaptierten Richtlinien, die barrierefreies Bauen sicherstellen
und dabei Rechtskonformität gewährleisten.

Neuerungen der ÖNORM B 1600 machen barrierefreies Bauen
einfacher

In der adaptierten ÖNORM B 1600 wurde besonderes Augenmerk auf die
Bedürfnisse von Personen mit Hör- oder Sehbehinderungen gelegt, um
das Prinzip der Barrierefreiheit im Sinne des Gleichstellungsgesetzes
und der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
baulich noch besser umzusetzen als bisher. In einem neuen Abschnitt
"Taktile und visuelle Orientierungssysteme" werden Ausführungen wie
z.B. taktile Bodeninformationen, Handläufe und Türbeschriftungen
beschrieben. "Dadurch erhalten blinde Menschen eine wichtige
Unterstützung, um sich künftig einfacher in Gebäuden zu orientieren",
erklärt Maria Grundner, stellvertretende Vorsitzende des
Arbeitsausschusses der ÖNORM und Interessenvertreterin von Menschen
mit Behinderungen.

Konkrete Vorgaben für leichtere Umsetzung

"Auch die Vorgaben für anpassbaren Wohnbau - also Wohnungen, die
im Falle auftretender Behinderungen schnell und kostengünstig
umgebaut werden müssen - wurden durch die Novellierung der ÖNORM B
1600 konkretisiert", ergänzt Grundner. Die Expertin hat in der
Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der Norm für barrierefreies Bauen
eigene Erfahrungen eingebracht, da sie selbst auf die Benützung eines
Rollstuhls angewiesen ist. "Ziel ist es, bei Auftreten einer
Mobilitätseinschränkung einen möglichst raschen und unkomplizierten
Umbau von Wohnraum mit möglichst geringem Kostenaufwand durchführen
zu können. So verwendet man z.B. in Sanitärbereichen statt tragender
Wandelemente Komponenten, die ein flexible Grundrissänderung
zulassen, sollte beispielsweise mehr Platz für den Rollstuhl benötigt
werden."

Barrierefreiheit ist leistbar

Auch Wilhelm Zechner, Technischer Direktor der SOZIALBAU
Gemeinnützige Wohnungs-AG, begrüßt die Neuausgabe der ÖNORM. Er
bezeichnet diese als "wirklich gute Planungsgrundlage für
Barrierefreies Bauen". Für einen Bauträger sei Barrierefreiheit zwar
mit gewissen Mehrkosten verbunden, so Zechner, aber das werde man
sich leisten können. Natürlich seien Kosten im Wohnbau, besonders im
sozialen bzw. geförderten, immer ein Thema. "Wir sind permanent damit
konfrontiert, alles zu tun, damit am Ende leistbares Wohnen
herauskommt. Die Personen und Institutionen, die an der Neufassung
der ÖNORM B 1600 mitgewirkt haben, haben das Kostenthema bestmöglich
mitgedacht."

Kostenreduzierende Entschärfungen

Normen-Neuerungen, die eine Reduzierung von Kosten mit sich
bringen, sind beispielsweise entschärfte Anforderungen für die
Weiterführung von Handläufen bei Rampen, die Reduktion der
Durchgangsbreite bei Rampen in Gebäuden sowie flexiblere
Gestaltungsmöglichkeiten bei der Fläche für Anfahrbereiche vor der
Wohnungs- bzw. Haustüre. Zudem wurden Quotenregelungen (z.B. Anzahl
der Behindertenparkplätze), die in der alten Fassung der ÖNORM B 1600
als Muss-Bestimmungen enthalten waren, teilweise entfernt bzw. in
Soll-Bestimmungen umgewandelt. "Die vorliegende ÖNORM legt Standards
für die barrierefreie Gestaltung der gebauten Umwelt fest und gibt
Planungshinweise und Empfehlungen für die bestmögliche Umsetzung. Es
liegt im Verantwortungsbereich des Anwenders, des Auftraggebers, des
Bauherren bzw. des Gesetzgebers festzulegen, wann und in welchem
Umfang diese ÖNORM anzuwenden ist", resümiert Wagmeister. (austrian standards)

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