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Behindertenverbände fordern Maßnahmen gegen Rekordarbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen


Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen ist laut jüngsten Erhebungen dramatisch angestiegen und hat den höchsten Wert (+140%) seit Beginn der Aufzeichnungen. Während aufgrund der guten Wirtschaftslage im September 2019 die Arbeitslosigkeit um 2,8 Prozent zurückging, stieg sie im gleichen Zeitraum bei Menschen mit Behinderungen um 4%. Behindertenverbände fordern daher von der künftigen Regierung ein Maßnahmenpaket.

Kritik am AMS-Algorithmus

Der erst kürzlich eingeführte AMS-Algorithmus wird die Lage noch weiter verschlimmern, da nach diesem Automatismus Menschen mit Behinderungen in die Gruppe mit den wenigsten Unterstützungsleistungen (Kategorie C), weil geringe Chancen am Arbeitsmarkt, eingeteilt werden. Ein weiterer fataler Automatismus sei auch die Einstufung von jungen Menschen gleich nach der Pflichtschule. Denn ist man einmal als "Arbeitsunfähig" eingestuft, erhält man keine Unterstützung mehr vom AMS. Diese Praxis sollte sofort abgeschafft werden, fordern VertreterInnen der Behindertenverbände. Die Lebenshilfe Wien knüpft daran an und fordert ergänzend dazu eine inklusive Schulpolitik.

Ausgleichstaxe streichen  - Fördern statt Strafen

Weiters soll, anstelle der ohnehin viel zu niedrigen und nicht funktionierenden Ausgleichstaxe, die Unternehmen zahlen müssen,  wenn sie der Einstellungspflicht von Menschen mit Behinderungen nicht nachkommen, ein Behindertenbeschäftigungsbeitrag in der Höhe von 0,3% der Lohnsumme eingeführt werden.  Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen einstellen, sollen außerdem durch entsprechende Prämien und Förderungen begünstigt werden.

Realisierung eines inklusiven Arbeitsmarktes und Schaffung eines Staatssekretariats

Vielen ist nicht bewusst, dass Menschen mit Behinderungen eine sehr inhomogene Gruppe sind und die Behinderung  in den meisten Fällen die Leistungsfähigkeit im jeweiligen Job gar nicht berührt. Und dennoch werden Menschen mit Behinderungen systematisch diskriminiert. UnternehmerInnen schrecken anscheinend immer noch davor zurück z.B. eine RollstuhlfahrerIn im Büro oder eine gehörlose Reinigungskraft zu beschäftigen. ExpertInnen sehen als Ursache eine Reihe von behindernden Vorgaben und Regelungen, die so rasch wie möglich geändert werden sollten, damit ein inklusiverer Arbeitsmarkt entstehen kann.

Im nationalem Aktionsplan 2021-2030 muss endlich die Umsetzung eines inklusiven Arbeitsmarktes gelingen. Markus Neuherz von dabei-austria dazu: "Unverständlich für Organisationen und für Menschen mit Behinderungen ist, warum der Prozess sich ständig verzögert. Dass berufliche Inklusion funktioniert, zeigen zahlreiche Beispiele aus dem Netzwerk berufliche Assistenz, kurz NEBA. So hat die Arbeitsassistenz allein im Jahr 2018 6.655 Menschen mit Behinderungen erfolgreich unterstützt Beschäftigung zu finden und abzusichern."

Um einen inklusiven Arbeitsmarkt einzurichten ist es außerdem dringend notwendig, endlich ordentliche Beschäftigungsverhältnisse in Betreuungseinrichtungen zu schaffen. "Lohn statt Taschengeld" fordert Hanna Kamrat von der Lebenshilfe Österreich in diesem Zusammenhang. Gefordert wird außerdem ein eigenes Staatsekretariat für Inklusionspolitik, Gleichbehandlung und Pflege, um den Nachholbedarf im Bereich Inklusion in Österreich voranzutreiben.

Koalitionsverhandlungen sollen Forderungen einbeziehen

"Wir stehen vor großen Herausforderungen, die wir gemeinsam mit Politik und Wirtschaft bewältigen müssen und wir fordern die brennenden Anliegen von Menschen mit Behinderungen endlich ernst zu nehmen!", so der einhellige Appell der Behindertenverbände an die Politik. (ots/heh)

 

 

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